Dienstag, 6. November 2012

Verlierer!

Ich habe heute mit meiner Tochter "Mensch ärgere dich nicht" gespielt. Als alter Empiriker durfte ich erwartungsgemäß wieder einmal feststellen, dass sich bei einer hinreichenden Anzahl an Spielen eine Gleichverteilung zwischen Gewinnen und Verlieren einstellt. Auf deutsch: jeder gewinnt gleich oft, wenn nur lange genug gespielt wird. Meine Tochter hatte heute scheinbar das glücklichere Händchen. Zugegeben, dies war für mich deprimierend. Aber so ist das nun mal. Morgen geht es andersrum. Dabei fiel mir wieder die alte Frage ein, warum Eltern ihre Kinder absichtlich gewinnen lassen. Darauf habe ich bisher keine hinreichende fachliche, rationale Antwort. Kann es sein, dass sich Eltern davor scheuen, dem Nachwuchs die Wahrheit über die Welt da draußen nahezubringen? Fürchten sie Tadel, Missgunst oder gar Missachtung durch ihre Kinder oder fremde Erziehungsstrategen? Wird das Kind etwa suizidal, wenn es mal nicht gewinnt? Als großer Anhänger der Winterhoffschen Thesen darf ich all diesen Eltern sagen, dass sich u.a. mithilfe genau dieser negativen Erlebnisse der Mensch, insbesondere dessen Psyche erst ausgereift entwickeln kann. Winterhoff spricht hier von der sogenannten Frustrationstoleranz, die geschult und ausgebildet werden muss. Früher hat sowas in normalen Familien implizit und ohne Unterstützung von außen funktioniert. Im ungünstigsten Fall haben wir künftig also nur noch "Gewinnertypen" oder aber wilde, zum Teilen unfähige Neandertaler (mit ungeahnten Folgen) ... Stichwort: soziales, ungestörtes Zusammenleben, -lernen und -arbeiten.

Ade schöne soziale, lebenswerte Welt!

2 Kommentare:

  1. Wir spielen kaum, denn meine Frustrationsintoleranz entspricht der meines Sohnes. Ist der Gegner kein Mensch, halten wird das Verlieren übrigens besser aus. Es gibt ja Computerspiele wie Tetris, die man immer verliert, ohne sich als Verlierer zu fühlen. Warum lassen wir unsere Kinder gewinnen? Weil man als Eltern nicht gewinnen kann: die Empathie lässt uns mitleiden.

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  2. Was? Du bist auch ein Gewinnertyp? Ist mir bisher gar nicht so aufgefallen. habe ich Euch bislang noch nicht gemeinsam spielen sehen. Jetzt weiß ich, warum ;). Immerhin, wenn Vater und Sohn frustrationsintolerant sind, können beide voneinander lernen. Außerdem weiß ich aus ziemlich sicherer Quelle, dass Du in Sachen Winterhoff reflektierend belesen bist. Mitleid ist übrigens eine der Tugenden, die die moderne Menschheit gerade dabei ist zu verlieren. Als Halbwissender darf ich Dich also beruhigen: Ihr seid nicht gestört! Und darüber freue ich mich!

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